Theorie

Was uns antreibt

Verständlicher Weise könnten Sie uns skeptisch entgegnen: Leben wir nicht schon in einer Demokratie und wäre es nicht zu risikoreich, der grauen Masse die Entscheidung über komplexe Politik zu übergeben?

 

Dem müssen wir mit einem klaren Nein antworten. Denn um genau zu sein, leben wir in keiner Demokratie im ursprünglichen Sinne, sondern viel treffender sind die Begriffe "Republik" oder "Aristokratie" – zu Deutsch: „Herrschaft der am besten Geeigneten“. Und geben wir unseren politischen Einfluss nicht alle vier Jahre erneut an die „am besten Geeigneten“ ab?

 

Das mag in manchen Ohren einen subversiven Unterton tragen oder dem Wortschatz eines Wutbürgers ähneln, der sich von der Elite dieses Landes bevormundet sieht. Aber auch wir erkennen die Risiken, dem Volk die politische Entscheidungsgewalt zu übergeben, aber wir erkennen ebenfalls, dass dieselben Risiken in einer Republik existieren. Korruption, Vetternwirtschaft und Überforderung einzelner Volksvertreter ließen sich beseitigen, wenn man einer großen Menschenmenge die Leitung des Landes überlässt. Momentan wechseln die Abgeordneten in einem Turnus von wenigen Jahren. Die dabei jeweils neu vergebenen Ministerposten sollen von „Experten“ geleitet werden. Doch oftmals weisen die eingesetzten Kabinettsmitglieder keine akademische Qualifikation auf, welche sie besonders auszeichnen würde. Man denke nur an Guttenberg oder an Ursula von der Leyen, die Medizin studierte und sowohl Ministerin für Arbeit und Soziales als auch Verteidigungsministerin wurde. Der Bundeskanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, hat noch nicht einmal das Abitur geschafft, geschweige denn ein Studium begonnen. So führt sich diese Liste fort und auch nicht jeder Parlamentarier verzichtet vollkommen auf andere Berufe, sodass die Politik zu einer Nebensächlichkeit wird.

 

Tatsache ist doch: Ein Großteil der Politik im Bundestag wird von Experten hinter den Kulissen ausgearbeitet und geklärt. Diese Experten verschwinden nicht, wenn man dem Volk die Entscheidungsgewalt überlässt. Es würden sich sogar noch viele andere Experten, die momentan nicht in der Politik tätig sind, dazugesellen. Mit dem einzigen Unterschied, dass nun eben sämtliche Beratung öffentlich verlaufen würde.

 

Fakt ist weiterhin: Die Bevölkerung hat momentan kaum politische Verantwortung, denn die Gesetze werden von Parlamentariern und nicht vom Volk verabschiedet. Wenn die Bevölkerung aber politische Verantwortung zugesprochen bekommt, so werden sie es selber sein, die die Konsequenzen ihrer Handlungen zu verantworten haben, und sie werden selber dazu verpflichtet sein, begangene Fehler einzugestehen und zu revidieren.

 

Weiterhin lehrt uns die Geschichte: Demokratien werden nicht klüger regiert als Republiken oder Diktaturen (die sich übrigens auch gegenüber dem Volk legitimieren müssen, ansonsten herrscht das Risiko eines Putsches), aber sie sind wesentlich friedlicher. Die neutrale Schweiz ist ein Beispiel dafür: Kaum eine Partei in dieser halbdirekten Demokratie ist nicht davon überzeugt, dass eine echte Demokratie wirklich funktionieren würde. Oder das antike Athen: Ein Staat, dessen Bürger wesentlich schlechter gebildet waren, als es heutzutage der Fall ist. Es war nur eine Polis, winzig klein, aber um von dem Grenzgebiet bis zur Bürgerversammlung zu kommen, und dort politisch mitwirken zu können, brauchte man damals mindestens zwei Tage, während man heute in Sekundenschnelle seine Meinung weltweit übertragen kann. Dieser Staat, der in den rauen Zeiten der Antike existierte, erlebte in über hundertfünfzig Jahren nur zwei Putschversuche von Oligarchen, während ansonsten innerer Friede herrschte. Man vergleiche das einmal mit den letzten hundertfünfzig Jahren Deutschlands oder irgendeines anderen Staates.

 

Aber ja, die Enttäuschung, der Frust und die Wut der grauen Massen ist ein Problem. Genau das gleiche Problem wie es Tyrannen, Größenwahnsinnige und Demagogen in den anderen Staatsformen darstellen. Es gibt daher keinen Grund, die direkte Demokratie den anderen Verfassungen hintanzustellen. Vielmehr ist das ein Argument dafür, die Wut der grauen Massen gar nicht erst entstehen zu lassen. Hierfür soll eine Hypothese dargestellt werden, die die soziale Entwicklung verschiedener Gesellschaften analytisch beschreibt.

 


Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass es einen sogenannten Gini-Index gibt, der die Verteilung von Einkommen oder Vermögen mathematisch präzise darstellt. Ein Gini-Index von 1 bedeutet dabei, dass sämtliches Einkommen oder Vermögen bei einer einzigen Person liegt. Ein Gini-Index von 0 hingegen bedeutet, dass jeder gleich viel hat (wahlweise auch von 0 bis 100 skaliert).

 

Nun wird gewöhnlich nur einer dieser Werte herangezogen – je nachdem, welcher besser geeignet ist, um den Unterschied zwischen verschiedenen Ländern angemessen zu betonen. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Differenzen zwischen den Ländern um einiges kleiner werden, wenn man den Durchschnitt von Einkommens- und Vermögensindex bildet: den Gesamt-Gini. Des Weiteren kann man eine erstaunlich geradlinige Entwicklung des Gesamt-Gini in den Ländern beobachten, über die ausreichend Datenmaterial vorhanden ist.

Ergänzungen zu der Hypothese im Text finden sich in diesem Video:

Musicfox

 

Diese geradlinige Entwicklung besitzt zudem in jedem Land dieselbe Steigung und veranlasst so zu der Behauptung, dass der Gini-Index knapp 62 Jahre braucht, um vom Minimum – also einem Punkt höchster Gleichheit - (etwa 0,42 in allen Ländern) zum Maximum – einem Punkt höchster Ungleichheit - zu wandern (etwa 0,71 in allen Ländern). Genauso lange braucht er auch, um sich zurückzuentwickeln.

 

Aber was bedeutet das? Nun, nachfolgend ist eine Tabelle mit einigen Länderbeispielen gegeben. Wenn man nun den historischen Vergleich zieht, fällt Folgendes auf: Bei hohem Gini-Index (großer Ungleichheit) tendieren Gesellschaften zu Aggression, Demagogie, Diktaturen und teilweise zu Fundamentalismus, während in Zeiten sozialer Gleichheit die Bevölkerung eines Landes wesentlich kommunikationsbereiter und demokratischer auftritt. Man denke nur an Deutschland: 1990 Gini-Minimum und zeitgleich Wiedervereinigung. Die Bevölkerung Ostdeutschlands hat es geschafft, den Kalten Krieg zu beenden, woran in den vorausgegangenen vierzig Jahren sämtliche Politiker und Diplomaten gescheitert sind. 1928 war dann die größte soziale Ungleichheit, was sich in der Weltwirtschaftskrise und dem nachfolgenden NS-Terror abzeichnete. Wieder 62 Jahre früher hatte sich Deutschland ebenfalls vereinigt und mit der Kaiserreichsgründung 1871 konnte sich zum ersten Mal eine deutsche Einheit etablieren. Das verlief zwar nicht ganz so friedlich wie 1990, aber doch mit sehr wenigen Kriegstoten. Gleichzeitig haben sich die ersten Arbeiterverbände gebildet und die Sozialversicherungen wurden eingeführt. Wieder 62 Jahre früher fiel Napoleon über ein rückständiges Deutschland her und nachdem er doch noch besiegt worden war, wurden die Hoffnungen der aufgeklärten Menschen von der Machtbesessenheit der Fürsten vernichtet. So geht es weiter, immer im Takt von ungefähr einem Menschenleben - in den Fällen Italiens, Griechenlands und Israels sogar bis in die Antike nachweisbar. (Weitere Beipsiele siehe unten)

 

Es wird Zeit, dass wir uns dieses Schemas klar werden und ganz bewusst dagegenhalten, indem wir die soziale Gleichheit möglichst bald vergrößern. Das kann nur geschehen, wenn sich die Bevölkerung dafür einsetzt. Kein Politiker der Welt kann alleine diesen Mechanismus beenden.

 

Zeitpunkt des letzten Gini-Minimums ausgewählter Länder

Japan: 1995

Österreich: 1994

Deutschland: 1990

Italien: 1988

Frankreich: 1981

Israel: 1980

Vereinigtes Königreich: 1978

Türkei: 1970

USA: 1966

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Top-5%-Einkommen und Gesamt-Gini.pdf
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Angaben basieren auf Daten um 2000.

Für die Demokratie muss es einige Grundvoraussetzungen geben. Welche, wird hier erklärt:

Mangelnde Begeisterung für Politik ist eines der Argumente gegen Direkte Demokratie. Hier wird gezeigt, warum das kein Problem sein würde:

Ein altes Vorurteil ist, dass Demokratien zu langsam sind. Hier wird dem auf den Zahn gefühlt:

Sind autokratische Mäzene der Schlüssel zu einer ausgeprägten Kultur, oder doch demokratische Meinungsfreiheit? Hier gibt es die Antwort:

Krieg ist das vielleicht älteste Leiden der Menschheit, mit Sicherheit aber das größte. Darum ist der weltweite Frieden eines der größten Ziele, die es zu erreichen gilt. Wie der Weg zu diesem Ziel aussieht, wird hier gezeigt:

Der zweite Teil von "Woran erkennt man echte Demokratien?": 

In einigen Videos wurde bereits erklärt, worin die Bedeutung der sozialen Gerechtigkeit liegt. Hier wird gezeigt, wie diese erreicht werden kann und dabei die Wirtschaft wächst:

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Neues Wirtschaftswunder - die Hintergründe
Daten und Fakten zum Video
Neues Wirtschaftswunder - die Hintergrün
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Ein Glück, dass das Volk nicht mitbestimmen darf! Sonst hätten wir lauter rechtsradikale Gesetze! Oder doch nicht? Hier sprechen Zahlen und Fakten:

Sicherheit ist im Wahlkampf ein zentrales Thema. Hier wird sich dem Thema mal ganz sachlich gewidmet:

Es haben sich bereits viele Autokraten für ihren Straßenbau feiern lassen, aber auch zurecht? Eine kurze, sachliche Analyse, die zeigt, wie stark die Demokratie unseren Alltag beeinflussen kann:

In einer Zusammenfassung all unserer Recherchen wird gezeigt, was für ein unglaubliches Potential soziale Gerechtigkeit und Demokratie birgt. Wie zu sehen, weist eine "großartige" Nation von beidem sehr wenig davon auf: 


Datenauswertung bezüglich Energieverbrauch pro Person, Gesamt-Gini und Landesfläche

In dem Dokument rechts sind mehrere Statistiken, etwa zur Kriminalität, Emanzipation und Einwanderung in Bezug zum technologieschen Stand, der Fläche und der sozialen Gerechtigkeit dargestellt.

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Der Einfluss der Demokratie
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Ergebnisse:

Kleine Länder sind demokratischer als große. Dadurch erklärt sich, dass kleine Länder eine höhere Lebenserwartung haben, ausländerfreundlicher sind und weniger Hungersnöte erfahren als große Nationen. Zudem gibt es in Demokratien weniger Kriminalität, wobei die Ungleichheit einen größeren Einfluss auf diesen Aspekt hat. Auch Korruption ist in großen Ländern verbreiteter als in kleinen, allerdings ist hier der Entwicklungsstand bedeutender.

Beweissammlung zur Hypothese der sozialhistorischen Berechenbarkeit

Im Dokument rechts sind die Gini-Daten und historischen Vergleiche von knapp einhundert Ländern. Geschichtliche Abweichungen zur Hypothese signifikanten Ausmaßes gab es in keinem dieser Länder.

Die Daten beruhen auf Angaben der Credit Suisse und der Weltbank. Da die Gini-Index-Angaben der Credit Suisse im Jahr 2010 offenbar nicht zuverlässig sind, sind große Abweichungen von dem errechneten Gini-Verlauf in diesem Jahr vernachlässigbar.

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Geschichtsvergleiche
Gini-Geschichtsvergleich.pdf
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